Äpfel und Honig zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana Symbolbild zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana 5787.

Wenn am Abend des 11. September 2026 die Sonne untergeht, beginnt für Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt ein neues Jahr. Mit Rosch Haschana beginnt das Jahr 5787 des jüdischen Kalenders. Das Fest endet am Abend des 13. September.

Rosch Haschana ist dabei weit mehr als ein Jahreswechsel. Das Fest verbindet Freude und Hoffnung auf das kommende Jahr mit Besinnung, Gebet und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln. Für uns als Deutsch-Israelische Gesellschaft ist Rosch Haschana deshalb auch eine schöne Gelegenheit, einen Einblick in jüdische Traditionen zu geben und unseren jüdischen Freundinnen und Freunden ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Was bedeutet Rosch Haschana?

Der hebräische Ausdruck „Rosch Haschana“ (ראש השנה) bedeutet wörtlich „Kopf des Jahres“ und bezeichnet das jüdische Neujahrsfest. Es beginnt am ersten Tag des Monats Tischri im jüdischen Kalender und wird zwei Tage lang gefeiert.

Anders als der Jahreswechsel am 31. Dezember steht bei Rosch Haschana nicht eine ausgelassene Feier um Mitternacht im Mittelpunkt. Das jüdische Neujahr hat einen ausgeprägt religiösen und besinnlichen Charakter. Es ist eine Zeit, in der Menschen auf das vergangene Jahr zurückblicken, über ihr eigenes Handeln nachdenken und sich dem kommenden Jahr zuwenden.

Gleichzeitig ist Rosch Haschana ein Fest der Gemeinschaft. Familien und Freunde kommen zusammen, besuchen Gottesdienste und teilen festliche Mahlzeiten. Wünsche für ein gutes, friedliches und süßes neues Jahr begleiten die Feiertage.

Der Klang des Schofars

Zu den bekanntesten Traditionen von Rosch Haschana gehört das Blasen des Schofars. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Blasinstrument, das meist aus dem Horn eines Widders gefertigt wird.

Sein eindringlicher Klang ist eines der wichtigsten Symbole des Festes. Das Schofar soll aufrütteln und zur inneren Einkehr anregen. Es erinnert daran, innezuhalten, über das eigene Leben nachzudenken und sich bewusst zu machen, was im neuen Jahr vielleicht anders oder besser werden kann.

Das Schofar verbindet damit eine jahrtausendealte jüdische Tradition mit einer sehr persönlichen Frage, die auch heute aktuell bleibt: Wo stehen wir – und wohin möchten wir gehen?

Äpfel und Honig – der Wunsch nach einem süßen Jahr

Auch beim gemeinsamen Essen begegnen uns viele Symbole des jüdischen Neujahrs. Besonders bekannt ist die Tradition, Apfelstücke in Honig zu tauchen. Damit verbindet sich der Wunsch, das kommende Jahr möge gut und „süß“ werden.

Häufig findet sich auch Granatapfel auf der festlich gedeckten Tafel. Seine zahlreichen Kerne werden traditionell mit Fülle und guten Taten verbunden. Je nach familiärer Herkunft und jüdischer Tradition gibt es darüber hinaus unterschiedliche Speisen und Bräuche.

Das gemeinsame Essen ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Festes. Wie bei vielen jüdischen Feiertagen verbinden sich religiöse Tradition, Familie und Gemeinschaft miteinander. Gerade diese alltäglichen und familiären Bräuche zeigen, wie vielfältig und lebendig jüdisches Leben ist.

Eine Zeit der Besinnung und des Neubeginns

Mit Rosch Haschana beginnt zugleich eine besondere Zeit im jüdischen Jahreskreis. Die Tage nach dem Neujahrsfest werden als die „Zehn Tage der Umkehr“ beziehungsweise ehrfurchtsvollen Tage verstanden. Sie führen hin zu Jom Kippur, dem Versöhnungstag und höchsten jüdischen Feiertag.

Im Mittelpunkt stehen dabei Selbstprüfung, Umkehr und Versöhnung. Es geht darum, das eigene Verhalten zu hinterfragen, Fehler anzuerkennen und – wo dies möglich ist – Dinge zwischen Menschen wieder in Ordnung zu bringen.

Damit erhält der Jahresbeginn eine besondere Bedeutung: Ein neues Jahr bedeutet nicht nur, nach vorne zu schauen. Es bedeutet auch, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Wie wünscht man ein gutes jüdisches neues Jahr?

Ein besonders bekannter Gruß zu Rosch Haschana lautet „Schana tova“ – שנה טובה. Übersetzt bedeutet dies schlicht „ein gutes Jahr“.

Häufig hört man auch „Schana tova u’metuka“ – שנה טובה ומתוקה: „Ein gutes und süßes Jahr“. Der Wunsch nach der Süße des kommenden Jahres begegnet uns damit sowohl in der Sprache als auch in den traditionellen Äpfeln mit Honig.

Solche Bräuche kennenzulernen, ist mehr als bloßes Wissen über einen Feiertag. Sie ermöglichen einen kleinen Einblick in jüdisches Leben, das seit vielen Jahrhunderten ein Teil Deutschlands und Europas ist und heute in unterschiedlichsten Formen gelebt wird.

Unsere Wünsche zum neuen Jahr 5787

Für die Deutsch-Israelische Gesellschaft bedeutet die Beschäftigung mit jüdischen Feiertagen auch, Begegnung und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Deutsch-israelische Freundschaft lebt nicht allein von politischen Beziehungen. Sie lebt von Menschen, persönlichen Begegnungen, Interesse aneinander und der Bereitschaft, die Geschichte, Kultur und Traditionen des jeweils anderen kennenzulernen.

Zum Beginn des Jahres 5787 möchten wir deshalb allen Jüdinnen und Juden in unserer Region, in Deutschland, in Israel und auf der ganzen Welt unsere herzlichen Wünsche übermitteln.

Unsere Gedanken sind in diesen Tagen besonders auch bei den Menschen in Israel und bei unseren Freundinnen und Freunden in Memmingens Partnerstadt Kiryat Shmona. Gerade angesichts von Krieg, Gewalt und Unsicherheit erhält der traditionelle Wunsch nach einem guten Jahr eine besondere Bedeutung.

Wir wünschen ein Jahr, das von Sicherheit und Frieden, von Begegnung und Verständigung sowie von neuer Zuversicht geprägt sein möge.

Schana tova u’metuka – שנה טובה ומתוקה!

Ein gutes, friedliches und süßes neues Jahr 5787!